Handel Schweiz, der Dachverband des Handels veröffentlichte diese Tage eine Medienmitteilung mit der Überschrift „Jedem zweien Handelsunternehmen fehlt digitales Know-how. 250‘000 Arbeitsplätze bedroht“. Die folgenden Auswertungen untermauern diese Prognose:

  • 96 % der Unternehmen sind überzeugt, dass die Digitalisierung das Handelsgeschäft verändert. Gleichzeitig beklagen sich 80 % darüber, dass ihnen die Ressourcen fehlen, um damit Schritt zu halten.
  • Jedem zweiten Handelsunternehmen fehlt es an Fachkräften oder Wissen, um die Digitalisierung anzupacken. 60 % der Befragten sehen Ihre technischen Voraussetzungen als Hindernis
  • 91 % der Unternehmen treiben aktuell digitale Kundenbindungsprojekte voran. Bloss 59 % von ihnen haben auch bereits etwas umgesetzt.

Beim Lesen dieser Studie ist man einmal mehr alarmiert, spricht man doch schon seit längerem davon, dass der Handel die Digitalisierung verschläft. Trotzdem scheinen alle etwas zu tun, aber niemand ist mit dem Erreichten zufrieden. Ich sehe zwei Gründe:

  1. Die selbsterfüllende Prophezeiung
    Die Digitalisierung wird als das alles verändernde Mega-Ereignis beschrieben. Die Erfolgsmodelle von Uber, Zalando etc. werden hochstilisiert. Technische Innovationen prasseln nur so auf uns ein. Der Schluss daraus: Hier kommt etwas extrem Grosses auf uns zu. Dem muss man ebenfalls mit einem grossen Wurf begegnen. Aber für diesen Wurf ist man ja so schlecht gewappnet. Da müssen wir zuerst A, B, C und am besten noch Y und Z erledigen. Die Zeit vergeht, die Projekte werden immer komplexer und der Erfolgsdruck noch grösser…. Und irgendwann ist der Zeitpunkt da, wo man von der Digitalisierung abgehängt wird, weil man entweder noch immer den grossen Wurf sucht oder noch mitten in einem komplexen Mega-Projekt steckt.
  1. Wir schaffen das alleine
    Die Digitalisierung ist zwar ein relativ neues Gebiet, aber auch nicht mehr in den Kinderschuhen. Sehr vieles wurde schon versucht, einiges hat funktioniert, vieles aber auch nicht. Wenn man bisher eher im digitalen Strom mitgeschwommen ist oder gar einen leichten Rückstand hat, so sollte man nicht auf die Idee kommen, all diese Erfahrungen nochmals selber zu sammeln. Vielmehr gilt es, von dem bereits vorhandenen Wissen zu profitieren, sich die relevanten Experten und Technologien an Bord zu holen und diese mit dem eigenen Erfahrungsschatz anzureichern.

Was ist denn nun zu tun? Verkneifen Sie sich Monsterprojekte. Brechen Sie Ihre Digitalisierungs-Strategie auf viele kleine Meilensteine herunter, von welchen jeder für sich bereits nutzbar ist. So können Sie rasch starten, schnell lernen, erste Erfolge feiern und sich davon beflügeln zu lassen.

Eine konkrete Handlungsempfehlung, wie man sich E-Commerce annähern kann, beschreibe ich hier..

 

Bild: Tim Reckmann, Pixelio.de